Home | Liebesbriefe | Liebesbotschaften

Meine Geliebte

Liebe …

Das ist jetzt aktuell dein zweiter Brief von mir. Und immer wieder finde ich etwas zum erzählen, sagen oder loszuwerden.

Heute will ich dir etwas erzählen. Mir ist heute etwas komisches, aber schönes widerfahren. Du weisst doch, dass ich die ganze Zeit das Gefühl hatte, all dies wäre ein Traum. Doch vorhin ist es mir so klar geworden. Das alles ist echt, wir schreiben, ich gehör dir und du gehörst mir. Dieses Gefühl wieder erleben zu dürfen ist einfach wunderschön, unbeschreiblich. Ich denke du weisst wie sich das anfühlt, jemanden zu haben bei dem du dir sicher sein kannst das er immer an deiner Seite steht.

Und egal was passiert, man hält zusammen. Früher oder Später. Du kannst dir sicher sein, bei dieser Person ist alles sicher und in guten Händen. Diese Person würde dir niemals schlechtes wünschen, weder in guten noch in schlechten Zeiten. Genau so fühl ich mich bei dir, sicher, geborgen und geliebt. Ich liebe dich so so sehr und ich muss zugeben, ich verliebe mich immer mehr in dich. Du bist einfach eine wundervolle Person für mich. Etwas, was ich bisher noch nie hatte. Etwas was unersetzbar ist. Jemand für den ich keinen Ersatz brauche weil er immer für mich da ist.

Für dich, meine Geliebte 🌹🌹

Erlaubnis

Ich benutze so bald wie möglich die mir von Ihnen gegebene Erlaubnis, Ihnen zu schreiben, ohne Umstände, wie Sie es gewünscht haben, meine reizende Freundin. Verzeihen Sie mir den letzten Ausdruck, aber er kommt von Herzen, denn nichts ist wahrer. Ich weiß nicht, ob ich Ihnen alles wiederholen soll, was ich Ihnen mündlich in der kurzen Zeit sagte, als ich wagte, mit Ihnen über das zu sprechen, was mir augenblicklich das Liebste auf der Welt ist. Ich fühle mich als der glücklichste Sterbliche auf der Erde, da ich Ihre Gefühle mir gegenüber kenne, und mir einzureden wage, daß ich Ihnen nicht gleichgültig bin! Ihre Abwesenheit erscheint mir unerträglich, ich langweile mich überall, und wie ich es Ihnen vorgestern sagte, wird die Devise auf Ihrem Fächer von Tag zu Tag bedeutungsvoller. Ach, ich glaube, dieser so erwünschte Augenblick ist noch recht fern und ich werde noch viele Tage und Monate hinbringen, ohne meine geliebteste Freundin zu sehen und zu haben. Ich glaube Sie versichern zu können, daß durch unsere Trennung meine Liebe zu Ihnen, weit entfernt sich zu verringern, nur noch stärker wird, und daß der Augenblick, wo Sie meine Gattin sind, der glücklichste meines Lebens sein wird. Wenn dieser Zeitpunkt nur nicht über den nächsten Winter hinausgeschoben wird, denn es würde mir völlig unmöglich sein, länger zu warten…

Wenn ich allein bin, beschäftige ich mich mit den vergangenen Tagen, unserer ersten Begegnung in Frankfurt, unsern Bällen, dem Weißen Schwan, den glücklichen und zufriedenen Augenblicken, die ich dort verbrachte und mit allem, was Sie betrifft, meine liebe Prinzessin – es wäre zu vertraulich gewesen, Sie so zu nennen, nicht wahr? Wie man zugeben muß, bin ich ein Mann von Welt, der seine Fehler ausgezeichnet wieder gut zu machen weiß. Haben Sie schon jetzt an Ihr Portrait gedacht? Wenn es nur ähnlich wird und keine Karikatur Ihres reizenden kleinen Gesichtes. Richten Sie es so ein, daß ich nicht zu lange darauf warten muß. – Ist Ihr Vater noch nicht angekommen und hat er noch gar keine Mitteilung geschickt? Ich erwarte Sie mit größter Ungeduld, weil ich hoffe, daß die Verlobung dann bald stattfinden kann; es wäre immerhin ein weiterer Abschluß und eine neue Gelegenheit, Sie zu sehen und Ihnen mündlich zu wiederholen, daß nichts mich tröstet als Sie und daß ich bis zum letzten Augenblick meines Lebens mit den Gefühlen vollkommener Liebe und Zärtlichkeit –

Ihr ganz ergebener Diener und Freund bleiben werde.

Friedrich Wilhelm

Ein Wort der Erwiderung würde mich für einige Augenblicke über den Schmerz trösten, von Ihnen vielleicht lange getrennt zu sein.

Friedrich Wilhelm III. von Preußen an Luise | Wiesbaden, den 26. März 1793

An den Gatten

Ihre stets ergebene und gehorsame Dienerin!

Vergebens habe ich den ganzen Tag gewartet. Keine Nachricht, kein Brief, keine Antwort von Seiner Königlichen Hoheit, und ich bin so weit und so klug wie gestern, ehe ich Ihnen schrieb. Das Gallenfieber ärgere ich mich an den Hals, dich das will ich so bleiben lassen und Dir sagen, daß ich mich recht sehr wohl befinde, heute etwas eingenommen habe, worauf ich mich gestärkt und erleichtert fühle…

A propos, ich habe mir was ausgedacht. Um Dich dafür zu bestrafen, daß Du Sonnabend soviel Champagnerwein trinkst, teile ich Dir mit, daß ich mich für die ganze Zeit meines Aufenthalts in Potsdam schminken lassen werde, und wenn ich erfahre, daß Du kommenden Sonntag auch noch soviel trinkst, werde ich’s auch in Paretz ebenso machen…

Leb wohl, ich will meine Anmut ausruhen, um für den anbrechenden Morgen frischer zu sein. Ich fühle es, morgen werde ich selbst Venus eifersüchtig machen. Wenn aber der eifrige Jünger des Mars mich immer lieb hat, überlasse ich Venus gern ihre Schönheit und Anmut, das Glück ist mir. Du lieber Kriegsknecht, bleibe mir treu und gut und mache mich stets so glücklich, wie ich’s nun drei Jahre durch Dich bin.

Deine Louise

Luise an Friedrich Wilhelm | Berlin, den 25. April 1797

Bester Freund

Bester Freund! es wäre vergeblich, die Empfindungen schildern zu wollen, die ich empfand, als ich Potsdam und Berlin wiedersah. Das Volk in Berlin, welches glaube, ich sei gefangen, begleitete meinen Wagen, und sammelte sich zu Tausenden am Palais unter meinen Fenstern, und schrieen nach mir. Nein, solch ein Volk gibt es nicht mehr, 12000 Bürger wollen sich bewaffnen und 1500 von den Vornehmsten außer den 12000 sind ebenfalls bereit, Dir zu folgen und für Dich zu fechten, wo Du willst. Die Nachricht der unglücklichen Bataille, statt sie niederzuschlagen, hat sie nur noch mehr erbittert gegen den Feind und ihre Anhänglichkeit, Ergebenheit für Dich, für ihren König und Vaterland noch vermehrt. Es ist unbeschreiblich, wie sie Dich lieben, alle Aufopferung bereit zu bringen, ihr Blut und Gut; Kinder und Väter, alles steht auf, Dich zu schützen! Benutze die Gelegenheit ja, es kann was Großes herauskommen. Nur um Gotteswillen keinen schändlichen Frieden! Der Augenblick ist kostbar, handle, wirke, schaffe, überall wirst Du im Lande guten Willen und Unterstützung finden. Ebenso ist die Stimmung hier in Stettin. Willst Du mich haben, sprich, ich fliege zu Dir! Gott, Du allein, das ist ein schrecklicher Gedanke… Die Kinder sind alle wohl, sie fragen alle nach Dir. Ich küsse Dich tausendmal in Gedanken und bin ewig

Deine treue Luise

Königin Luise an Friedrich Wilhelm III. | Stettin, 20. Oktober 1806

Sie, o zärtlich geliebter Freund

…Sie, o zärtlich geliebter Freund, sind die Quelle meines Glücks, mein Herz segnet Sie, meine Seele liebt Sie, Gott wird uns beide segnen, und wir werden glücklich und zufrieden sein. Bestimmt werden auch Dornen auf unserem Wege sprießen; vergessen Sie nicht, wie jung ich bin, wie wenig Erfahrung ich habe, ich besitze keine Freundin und fürchte, ich werde auch keine gewinnen, denn, das unter uns, was man mir von Berliner Frauen gesagt hat, so verdienen sie meine Freundschaft nicht, die meisten sind kokett, und Sie wissen, lieber Prinz, wie sehr ich Koketterie verabscheue… Adeieu, mein Engel, behalten Sie mich immer lieb, haben Sie mich wirklich lieb und glauben Sie mir, ich bin Ihre treue Freundin

Luise an Friedrich Wilhelm | Darmstadt, den 9. Dezember 1793

Morgen abend, morgen abend

Morgen abend, morgen abend? Was ist denn dieser Abend? Er wird für mich um fünf Uhr früh angangen. Morgen, das ist heute, Gott sei Dank, gestern ist vergangen. Ich werde also um neun Uhr an Ihrer Tür sein; man wird mir sagen, daß Sie nicht zu Hause sind. Ich werde um 10 rund um 11 da sein; wird man mir noch immer sagen, Sie seien nicht zu Hause?

Ich leide im vorhinein unter allem, was ich noch leiden werde. Ich wette, daß Sie mir nicht glauben, denn Sie kennen mich ja gar nicht. In mir ist ein geheimnisvoller Punkt. Solange man ihn nicht erreicht, bleibt meine Seele unbewegt. Sobald man ihn nicht berührt, ist alles entschieden. Es ist vielleicht noch Zeit. Ich denke an nichts als an Sie, aber ich kann mich vielleicht noch bekämpfen. Seit den letzten zwei Tagen sehe ich nichts anderes als Sie. All Ihr Reiz, den ich immer gefürchtet habe, ist in mein Herz eingefallen. So sehr, daß ich kaum zu atmen vermag, während ich Ihnen schreibe. Hüten Sie sich, Sie können zu unglücklich machen, als daß Sie nicht selbst darüber unglücklich würden: ich habe nur immer einen Gedanken. Sie haben es gewollt. Dieser Gedanke sind Sie. Politik, Gesellschaft, alles ist verschwunden. Ich komme Ihnen vielleicht verrückt vor; aber ich sehe Ihren Blick, ich wiederhole mir Ihre Worte, ich sehe diese Züge eines Mädchens, die so viel Anmut mit so viel Feinheit verbinden.

Benjamin Constant an Mme. Récamier | 3. September 1814

 

Donnerstag abend

Donnerstag abend, 8 Uhr. – ich mache diesen Gedankenstrich und sehe aus dem Fenster. Über dem Deister ist es rot und so wölkigt helle, als wollte es eine beständige gute Witterung werden – und so ungefähr ist mir diesen Ab end meine Gesundheit, von der ich jetzt überhaupt sehr zufrieden bin. – Mein Leben ist jetzt ein ruhiger Traum eines schwachen, aber ruhigen und zufriedenen Genesenden, den seine Phantasie zwar nicht in muntere, frohe Örter bringt, den sie aber in dunklen Gegenden weidet und erquickt, dem sie bisweilen einen Wunsch versagt, den sie von der anderen Seite dann aber wieder mit Anmut und Wärme belebt.

Man vergleicht oft das menschliche Leben mit einer Pflanze – und der Mensch hat auch in der Tat vieles mit der Pflanze ähnlich. So lange er wächst, ist er weich und biegsam, man kann ihm jede Lage, jede Gestalt willkürlich machen, zu allem lenken, wenn es nur nach und nach geschieht. –

Er ist Trieb – weit um sich scheint seine Grenze ihm noch zu eng. Nun aber hat er sein Wachstum vollendet, nun wird er stärker – er stehet ruhiger, er findet schon seine Beschränkung. – So stehet die Pflanze vor der Blüte – erholt sich – und dann bricht sie aus ihrem größten Glanze – da stehet sie in ihrer Vollkommenheit zum Wohlgefallen des Schöpfers, zur Freude und Wonne der ganzen Natur. – Und dies, liebes Klärchen, ist die Liebe, ist die Reife, die Vollkommenheit unseres irdischen Daseins; und so wie die Blüte die Vollkommenheit der Frucht entwickelt, so —. So wohltätig ist die Natur. Ihre innere Wärme, ihre wirkende Kraft ist Wonne und Bereitung zu höheren Vollkommenheiten.

Wie die Menschen noch so bang vor der Zukunft sein können, wie sie sich quälen können,m da doch die Natur so allgütig in uns wirkt, Freude und Wonne in uns entzündet, wenn wir uns ihr nur in die Arme werfen, wenn wir uns nur der wohltätigen Belebung des Schöpfers überlassen!…

Gerhard von Scharnhorst an Klara Schmalz

Wenn Du sähest

Wenn Du sähest, wie ich weine, meine Sophie! Ist es denn eine Schande für ein unglückliches und gefühlvolles Wesen, Tränen zu vergießen? Ach, das ist das einzige Süße, was mir bleibt. Denn wenn ich weine, mischt sich in meine Traurigkeit eine gewisse unerklärliche, aber wirkliche Wollust. Oh, meine Freundin, welch ein Gefühl ist die Liebe, da sie so grausame Leiden lindern kann! Wir danken ihr die Kraft, unsern Schmerz zu ertragen, wie wir ihr unsere Entzückungen gedankt haben. Aber das Gefühl des Verlustes ist ebenso lebendig wie das des Genusses und viel dauerhafter. Ach, ich habe alles Glück der glücklichen Liebe gekostet. Nun erfahre ich alle Leiden der verfolgten Liebe… Ich wage nicht zu urteilen, aber ich weine und habe nicht genug Seufzer für alle meine Leiden. Welcher Mut würde ihnen nicht unterliegen, Geliebte? Welche Kraft soll ich nicht unter einer solchen Last zeigen? Kann in mir ein Gedanke, eine Empfindung, ein Gefühl erblühen, das nicht ihr Gewicht vermehrt?

Der gewöhnliche Mensch findet, daß Mut dazu gehört, nicht den Tod zu fürchten. Sollte man nicht sagen, daß sie sehr glücklich sind? Nein, sondern sie lieben nur sich und sind indes stets außer sich. Sie haben tausend Wünsche, tausend Neigungen und nicht eine Leidenschaft. Ach, wenn sie einen einzigen Gegenstand liebten, der ihre ganze Hoffnung machte, der alle ihre Neigungen vereinigte, alle ihre Wünsche! Wenn sie ihn dann verlören, würden sie nichts mehr fürchten, sie würden tollen Schrecken trotzen.

Die Überlegung und der Verstand genügen sicher, den Wert des Lebens herabzusetzen. Aber die Leiden des Herzens lassen ihm keinen mehr. Ach, wer möchte es denn besitzen, wenn er sich seiner nicht mehr erfreuen kann! Ach, Sophie, wir brauchen viel mehr Mut, nicht den Tod zu wünschen als ihn nicht zu fürchten. Da die Zeit, deren übermäßige Dauer ein wahrhafter Tod ist, unsere Freuden verschlungen hat, was sollten wir ihr noch streitig machen, wenn sie sie uns nicht zurückgeben soll? Ach, ich lasse ihr ohne Bedauern alles, was nicht für dich bestimmt ist.

Ich werde mit jedem Tag trauriger, meine Freundin, und ich ergieße wider Willen auf das Papier das Gift, mit dem mein Herz getränkt ist. Du weißt wohl, daß zwei Zeilen, zwei Zeilen von Dir, mich schnell heilen würden. Und gewiß hast Du nicht weniger Not, die Klagen Deines Gabriel zu hören als er, Deinen Trost zu empfangen. Meine Sophie ist, weil sie weniger aufwallend ist, darum nicht weniger gefühlvoll. Und ich fühle alles, was sie in diesen gleichen Augenblicken der Erwartung und der Qual leidet, wo ich lauter, aber nicht bitterer seufze. Wer weiß sogar, ob der Vorzug, alles zu wissen, was ich nicht weiß, nicht eine Qual mehr für Dich, teure Gattin, ist? Ich hoffe wenigstens noch, und vielleicht hoffst Du nicht mehr.

Lebe wohl, meine Sophie-Gabriel, die ich liebe, die ich unendlich mehr anbete, als ich sagen und sie selbst es glauben kann. Ich sende Dir Millionen Küsse, die Du hinnehmen sollst und ich bitte es, dich kräftig zu regen, aber doch nicht so, daß es seine Mama belästigt. Ich liebe dies Kind sehr, aber es soll sich nicht danach gelüsten lassen, je mit meiner Sophie rivalisieren zu wollen.

Du willst mir durchaus nichts von Deiner Schwangerschaft berichten? Ach, wenn ich wenigstens wüßte, daß sie glücklich verläuft, daß Du wenig leidest, daß Du viel gehst, daß das arme Kleine sich regt! Meine liebe Freundin, ich glaube Dir in meinen ersten Briefen einige nützliche Ratschläge über das Verhalten gegeben zu haben, das Du in dieser Hinsicht beobachten mußt. Die stürmische Schwangerschaft, deren Zeuge und sehr aufmerksamer Beobachter ich gewesen bin, hat mich viel gelehrt. Sophie, kleide Dich weit, damit Dein Kind sich nach Wunsch legt. Iß gesunde Speisen, damit es ihm wohl geht und Dir auch. Gib Dich nicht Gelüsten hin, befriedige Deine Wünsche nach Maß, damit es nicht schwach wird, leckerhaft noch launisch. Und vor allem gehe viel, aber strenge Dich dabei nicht übermäßig an, damit Du Deine Niederkunft erleichterst. Ach, ich möchte über diese wichtige Revolution wachen, denn die Gesundheit der Frauen hängt von ihrer Niederkunft ab. Keine Torheiten und erst recht nicht Vorschriften von klugen Frauen, sie sind alle falsch, verderblich und unheilvoll.

Mirabeau an Sophie von Monnier

Unschätzbare Freundin

Ihr Brief ist zu schön, als daß ich ihm antworten könte. Mit Küsßen, mit Thränen der Entzückung mit gleich edeln Gesinnungen möchte ich Ihnen lieber antwohrten. Wie zärtlich dankte ich der Vorsehnung für Sie! Was für ein himlisches Herz ist das Ihrige. O glauben Sie, geliebteste Freundin, daß Sie nicht mehr geliebt werden könen, als ich Sie lieben werde. Ich bin fähig, den unendlichen Werth Ihrer Seele zu kennen und zu lieben, und ich bin stolz darauf, Ich freue mich mit einer süßen Ungeduld auf unser Wiedersehn. Wie himlisch sollen die Stunden seyn, die wir da verleben wollen!

Die Ode, die ich Ihnen schicke, drückt etwas von der großen Empfindung aus, die mir Ihr letztes Schreiben erweckte. Warum bin ich doch kein so schöner Geist als Herr Klopstock! Ich würde gleich auf Ihr liebes Schreiben geantwohrtet haben, wenn ich Ihnen nicht zugleich meinen „Frühling“ hätte übersenden wollen. Ich weiß nicht, ob Sie schon eine deutsche Poesie mit lateinischen Buchstaben gelesen haben.

Weil ich in beiden Gedichten mit Ihnen, himlische Freundin, rede und Ihnen das sage, was immer meine Gedanken beschäftigt, so will ich hier schließen. Ich umarme Sie auf das Zärtlichste, meine liebenswürdige Sophie, leben Sie vergnügt, und lieben Sie mich. Ja, göttliche Freundinn, wir wollen uns ewig lieben und gewiß, wir werden noch ein Beispiel von Glückseligkeit werden…

Christoph Martin Wieland an Sophie von Gutermann

Löwe aus Mitternacht

So nennt Euch der Volksmund. Ich bete allabendlich für Euch, ich habe Euch, den blauäugigen König gesehen und geliebt! Und dann sahet Ihr mich, und ich durfte Euch sprechen und Eure blonen Haare liebkosen. Und ihr küßtet mich. Mein König, ich bin nur eine einfache Magd, aber nun reicher als die Herrin auf dem Gutshof und wohl selbst als die Königin. Nie wird mich wieder ein anderer küssen, und sterbt Ihr, sterbe auch ich. Es ist gewiß eine Sünde, einen König zu lieben und mit ihm sterben zu wollen, aber es ist ja Krieg und überall der Tod. Da, so denke ich mir, muß rasch gesagt werden, was mich so glücklich macht, denn vielleicht morgen schon hört Ihr es nicht mehr, und ich kann es nicht mehr sagen, weil der Tod dazwischentrat. Und dann meint auch der Herr Pfarrer: Wenn gekämpft wird, ist manches Krumme gerade. So ist es wohl gar keine Sünde, Euch zu lieben und Euch dies zu sagen in diesem Briefe, bei dem mir die Alte im Dorf, die klug und weise ist wie keine andere, geholfen hat.

Ein Brief an Gustaf Adolf von Schweden, etwa 1631

Liebesbotschaften